Siamkatze

Siam

Siamkatzen (Siam/Balinesen/Orientalen/Javanesen)

Diese vier Rassen  sind sich sehr ähnlich, sie unterscheiden sich nur in der Fell -Länge und -Zeichnung. Die Stammmutter ist die Siam, sie werden untereinander verpaart.
Sie sind temperamentvoll, gesellig, sehr menschenbezogen, fordern viel Zuwendung, reden viel, mit kräftiger Stimme. Den ganzen Tag alleine ist normalerweise keine Katze gerne, diese vier am allerwenigsten. Ganztagsberufstätige sollten daher zwei Katzen bei sich aufnehmen.

 

Der Körper ist elegant von mittlerer Größe, langgestreckt, geschmeidig, jedoch muskulös, auf hohen, schlanken Beinen, mit kleinen ovalen Füßen.

Der Schwanz ist sehr lang, dünn am Ansatz, endet in einer Spitze.

Der Kopf ist keilförmig, von mittlerer Größe

Die Nase ist lang, gerade und verlängert die Linie der Stirn

Die Augen sind mandelförmig, leicht schräggestellt, als harmonische Ergänzung zur Keilform des Kopfes. Leuchtend tiefes blau bei Siam und Balinesen, grün bei Orientalien und Javanesen

Die Ohren sind groß, zugespitzt, breit an der Basis

Felltextur bei den Siam & Orientalen  sehr kurz, fein, glatt anliegend, ohne Unterwolle.

Bei den Balinesen & Javanesen   halblang, fein, seidig, ohne Unterwolle, das Schwanzhaar lang, wie eine Feder ausgebreitet

Körperfarbe der Pointtiere ist von gebrochenem  Weiss über Elfenbein bis zu einem hellen Beige, jeweils auf die Abzeichenfarbe abgestimmt. Ältere Tiere werden dunkler.

Abzeichenfarbe:

seal-point = schwarzbraun

blue-point = blau bis blaugrau

chocolate-point = helles braun

lilac-point = magnolienfarbig

red-point = rotgolden

creme-point = cremegolden

foreign white = rein weiss, ohne jede Schattierung, Augen tiefblau

sowie die gesamte Farbpalette in tortie-point & tabby-point.

Bei tortie-point ist die Abzeichenfarbe in deutlichem Kontrast gefleckt oder gesprenkelt mit rot oder creme.

Die tabby-point können am Körper eine schwache Schattierung in der jeweiligen Abzeichenfarbe aufweisen. Ohren einfarbig ohne Streifen, doch mit „Wildfleck“ auf der Rückseite. Maske  mit klar abgegrenzten Streifen, besonders um Augen und Nase, deutliche Zeichnung der Wangen, Augenlieder dunkel umrandet oder zu den Abzeichen passend getönt.

Beine mit verschiedenen langen, unterbrochenen Streifen. Schwanz mit verschieden großen, klar abgegrenzten Ringen, einfarbige Spitze.

Fellfarbe der Orientalen & Javanesen

Einfarbig

schwarz „ebony“ glänzend, tiefes schwarz bis zu den Haarwurzeln

braun – alle Nuancen eines reinen, warmen, gleichmäßigen braun bis kastanienbraun

blau – reines hell- bis mittelblau, blaugrau

lavender – blasses lavendelblau/grau mit deutlich rosa Schimmer

rot – warmes rot, Tabbymuster möglich

creme – warmes, helles apricot, wie auch bei rot  können sie ohne Geisterzeichnung am Körper sein.

Schildpatt

Bei ihnen allen sind jeweils die Grundfarben so klar und leuchtend wie möglich, mit rot und/oder creme gleichmäßig über den ganzen Körper verteilt.

Smoke

Hell platinfarbener Felluntergrund, die Haarspitzen und kurz behaarten Körperteile, (Gesicht, Ohren, Beine) erscheinen je nach Farbe zarter oder kräftiger in sämtlichen, bisher vorgestellten Farben pigmentiert.

Tabby

mackarel = getigert, classic = gestromt,  spottet = getupft, ticked = agouti, mit und ohne silber in allen Farben, kontrastreiche Zeichnung auf hellerem Grund.

Bei ticked-tabby ist der Rumpf völlig zeichnungsfrei, allein ihre Extremitäten weisen ein kräftiges Streifenmuster auf. Alle Tabby`s haben ein markantes „M“ auf der Stirn.

 


Herkunft

Die Vorfahren der heutigen Siamkatze stammen aus dem südostasiatischen Raum. Ob sich der langschwänzige hochbeinige Typ mit den für Siamkatzen typischen Points dort originär aus der Vermischung freilebender Wild- mit bereits domestizierten Katzen entwickelte oder ob es Einflüsse von außerhalb gab, ist nicht bekannt. Einer Hypothese zufolge kamen über arabische und indische Seefahrer Katzen aus dem Mittelmeerraum beziehungsweise Kleinasien nach Südostasien und brachten die für Mittelmeerkatzen oft anzutreffende Schlankform in den Genpool der südostasiatischen Vorgängerkatzen ein.

Geschichte

Die erste nachweisliche Erwähnung von Siamkatzen findet sich in dem Manuskript „Gedichte der Katze“ des Autors Phra Nakhon, das sich heute in der Nationalbibliothek in Bangkok befindet. Es datiert in seinen Ursprüngen auf die Mitte des 14. Jahrhunderts zurück und stammt aus Ayutthaya, der Hauptstadt des gleichnamigen Königreichs. Die durch Hofmaler eingefügten Katzenabbildungen zeigen Abbildungen von Katzen, welche die typischen Eigenschaften einer Siamkatze, helle Körperfellfarbe und Points an Ohren beziehungsweise Gesicht, Pfoten und Schwanz zeigen.

Die im alten Siam „Vichien Mas“ (auch „Wichien-Maat“) genannten Siamkatzen waren bevorzugte Haustiere des Königshauses und des siamesischen Hochadels. Teilweise wurden sie auch in Tempeln und Klöstern gehalten und gezüchtet. Die Siamkatze spielte alten Schriften zufolge auch eine wichtige religiös-spirituelle Rolle in der buddhistischen Religion. Starb ein Mitglied der Königs- oder Adelsfamilie, nahm eine ausgewählte Katze die Seele eines Verstorbenen auf. Der Katze wurden anschließend spirituelle Kräfte nachgesagt und sie verbrachte den Rest ihres Lebens im Tempel, wo sie als Reinkarnation des Verstorbenen verehrt wurde.

Der Besitz von Siamkatzen war streng geregelt, und kein Tier durfte das Land verlassen. Vereinzelte Siamkatzen kamen in den 1870er-Jahren nach England und den USA, starben dort aber schnell infolge fehlender klimatischer Anpassung und falscher Haltung. 1871 erregten erste ausgestellte Siamkatzen im Londoner Crystal Palace großes Aufsehen. 1884 schenkte der siamesische König Chulalongkorn dem britischen Generalkonsul Sir Edward Blencowe Gould ein männliches und ein weibliches Tier. Pho und Mia, wie beide hießen, wurden zu dem ersten Zuchtpaar in England. Bereits kurz nach ihrer Ankunft begann man endgültig, Siamkatzen mit in das Zuchtprogramm aufzunehmen und weitere Tiere nach England einzuführen. Erste Nachkommen des Siamkatzenpaares Pho und Mia wurden bereits auf der großen Katzenausstellung im Londoner Crystal Palace 1885 ausgestellt.

In den ersten Jahrzehnten konnte nur mit wenigen Tieren gezüchtet werden, was wahrscheinlich durch Inzucht zu der Entstehung heute vorhandener Gendefekte führte. Siamkatzen waren entweder Direktimporte aus Siam (bis in die 1930er-Jahre) oder kamen aus europäischen Zoos, wo sie als Attraktion gehalten wurden. Man unterschied in diesen Anfangsjahren der Zucht die Typen „Siam-Königskatze“ und „Tempelkatze“, die sich in Körperbau und -farbe sowie in der Schwanzlänge unterschieden.

Der erste Rassestandard für Siamkatzen, die man damals noch als Royal Cat of Siam bezeichnete, wurde 1892 erstellt und 1902 stark erweitert. 1901 wurde in England der „Siamese Cat Club“ gegründet. Ende des 19. Jahrhunderts wurden Siamkatzen bereits vermehrt in England und Frankreich gezüchtet und auch in den USA fanden sich zu diesem Zeitpunkt die ersten Siamkatzenzüchter. Erst 1927 begann in Deutschland bei dem „1. Deutschen Angorakatzen – Schutz- und Zuchtverbandes“ (heute 1. DEKZV) mit zwei eingetragenen Züchtern eine planmäßige Zucht. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Siamkatzen weltweit in großem Stil gezüchtet. Beginnend mit den 1950er- und 1960er-Jahren wurden bei der Zucht verschiedene Farbschläge wie Chocolate-, Lilac- oder Red-Point gezielt selektiert und weitergezüchtet, was mittelfristig zu der Anerkennung weiterer eigenständiger Farbschläge durch die großen Katzenzuchtverbände führte.

Rassestandard und Züchtung

Der erste Rassestandard für Siamkatzen wurde 1892 in England von Harrison Weir formuliert. Bereits 10 Jahre später wurde er vom 1901 gegründeten und heute noch bestehenden englischen Siamese Cat Club angepasst. Noch im 19. Jahrhundert wurde in Frankreich ebenfalls intensiver gezüchtet. In den USA begann eine planmäßige Siamkatzenzucht mit Zuchtbuch im Jahr 1900. Erst relativ spät, ab der Mitte der 1920er-Jahre, fasste die Zucht von Siamkatzen in Deutschland Fuß.

Weitere Anpassungen des Standards erarbeiteten später die großen nationalen und internationalen Dachverbände der Rassekatzenzuchtverbände. Dabei kam es auch zu einer unterschiedlichen Akzeptanz von einzelnen Typen und Farbschlägen, die heute vor allem in den USA und Europa für stark differierende Standards und Klassifizierungen von Siamkatzen verantwortlich ist. So ist die F. I. Fe (Fédération Internationale Féline), eine der größten europäischen Dachorganisationen, bei der Akzeptanz von Farbschlägen und Typen eher konservativ. Der größte amerikanische Dachverband, C. F. A. (Cat Fanciers’ Association), erkennt nur die ursprünglichen Farbschläge (siehe im Kapitel Farben) an, alle neueren Farbschläge werden als Colourpoint Shorthair bezeichnet und gerichtet. Als einziger größerer Dachverband erkennt die T. I. C. A. (The International Cat Association, USA) zusammen mit vielen kleineren unabhängigen Rassekatzenzuchtverbänden Thaikatzen als eigenen Rassestandard an, während diese bei den anderen genannten Dachverbänden nach wie vor als Siamkatze mitgerichtet werden.

Rassestandard Siamkatzen am Beispiel der
Fédération Internationale Féline (Category IV – Siamese & Oriental)
Körperteil Merkmal Beschreibung
Allgemein Erscheinung Die ideale Siamkatze ist schlank, elegant, mit langen auslaufenden Streifen, geschmeidig und muskulös
Größe Mittel
Kopf Form Mittlere Größe, in Proportion zum Körper, gut ausgewogen; keilförmig mit geraden Linien. Der Keil fängt an der Nase an und verbreitert sich allmählich auf beiden Seiten in geraden Linien bis zu den Ohren. Es sollte keine Unterbrechung bei dem Ansatz der Schnurrhaare in diesen beiden Linien geben.

Der Schädel ist im Profil gesehen leicht konvex.

Nase Lang und gerade, die Linie von der Stirn ohne jede Unterbrechung verlängernd
Kinn Schmal
Schnauze Von mittlerer Größe. Die Spitze des Kinns bildet eine vertikale Linie mit der Nasenspitze
Ohren Form Groß und zugespitzt, breit an der Basis
Lage Verlängern die Linien des Keils
Augen Form Von mittlerer Größe, weder hervorstehend noch tiefliegend. Mandelförmig und zur Nase hin leicht schräg gestellt, um in Harmonie mit den Linien des Keiles zu stehen.
Farbe Klar und hell, intensiv blau leuchtend
Hals Form lang und schmal
Körper Körperbau lang und schlank, sehr muskulös, aber trotzdem zierlich und elegant. Die Schultern stehen nicht weiter hervor als die Hüften.
Beine
lang und dünn, in Proportion zum Körper
Pfoten klein und oval
Schwanz Form Sehr lang; dünn, auch an der Spitze; in eine dünne Spitze auslaufend
Fell Struktur sehr kurz, dünn, glänzend, seidenweich und eng am Körper anliegend. Nahezu keine Unterwolle.
Farbe • Points: Gesichtsmaske, Points an den Ohren, Beinen und am Schwanz. Die Farbe an allen Points sollte so gleichmäßig wie möglich sein. Die Gesichtsmaske darf sich nicht über den gesamten Kopf erstrecken, sollte sich aber über Farbspuren bis an die Ohren ziehen.

• Körperfarbe: gleichmäßig, geringfügige Schattierung an den Flanken ist erlaubt, aber es muss einen klaren Unterschied zwischen den Points und der Körperfarbe für die Farbschläge der nachfolgenden Tabellen geben.

Körperfarbe Fell • geringfügige Schattierung des Körpers, die mit der Farbe der Points harmoniert ist erlaubt.

• eine dunklere Körperfarbe ist bei älteren Katzen erlaubt

Fehler Fell • Flecken am Bauch und an der Flanke• leicht gefärbte oder getickte Haare (Geschecktheit) in den Points

• Bänder und Streifen in den Points mit Ausnahme von Tabby Points

Fehler, die eine Anerkennung ausschließen Fell Ungenügender Kontrast zwischen den Points und der Körperfarbe
Disqualifizierung Augen jede andere Augenfarbe als blau

Fehler

Verlangten die ersten Rassestandards von Siamkatzen noch Schielen und einen Knickschwanz, typische Merkmale der ersten, in der westlichen Welt anzutreffenden Tiere, so gilt dies schon seit längerer Zeit als schwerer Fehler. Tiere mit diesen offensichtlichen Fehlern werden nicht mehr als Zuchttiere eingesetzt. Unerwünscht ist auch ein Stopp bei der Nase, also eine Einbuchtung des Nasenrückens zwischen Stirn und Nasenspitze.

Weitere Rassefehler sind vor allem bei Fehlfärbungen des Fells und der Points zu finden. So sind Streifen, Bänderungen oder Flecken an Bauch und Flanke unerwünscht, ebenso das Auftreten von Tabby-Zeichnung bei Red- und Cream-Point Siamkatzen. Dies kommt öfters in Form einer ringförmigen Zeichnung am Schwanz sowie als Streifen an Gesichtsmaske und Beinen vor. Zu langes Haar, zu viel Unterwolle oder eine zu grobe Textur des Fells sind ebenfalls unerwünscht. Wenig oder unklar abgegrenzte Points vom Körperfell und zu dunkles Körperfell, vor allem bei helleren Farbschlägen, führen ebenfalls zu Punktabzug beim Richten einer Siamkatze auf einer Rassekatzenausstellung.

Der alte Siamkatzentyp: Die Thaikatze

Wie bereits erwähnt, erkennen einige Dachverbände und die in ihnen organisierten Rassekatzenzuchtverbände die Thaikatze als eigene Rassekatze an. Thaikatzen, oft auch als „Traditionelle Siamkatzen“ bezeichnet, repräsentieren einen älteren Phänotyp der Siamkatze, der bis circa Anfang der 1990er-Jahre in der Regel in der Siamkatzenzucht anzutreffen war. Seit dieser Zeit entwickelte sich die Zucht der Siamkatzen mehrheitlich in Richtung des heutigen sogenannten modernen Typs, während einige Züchter nach wie vor den bisherigen alten Typ in ihrer Zucht weiterzüchteten. Dies führte dazu, dass heute generell zwei verschiedene Typen der Siamkatze zu unterscheiden sind: der traditionelle Typ (je nach Verein oder Verband als Siamkatze oder Thaikatze anerkannt) sowie der moderne Typ (nur Siamkatze). Zwischen diesen beiden Typen gibt es in der Zucht immer wieder Katzen, die phänotypisch zwischen den beiden vorgenannten Typen stehen.

Eine rein gezüchtete Thaikatze weist also im Genotyp die gleichen genetischen Eigenschaften wie eine Siamkatze des modernen Typs auf. Markante visuelle Unterschiede sind im Aussehen und dort vor allem im Kopfbereich vorhanden. Bei den Thaikatzen sind die Ohren wesentlich höher angesetzt während bei den modernen Siamkatzen auf große, deutlich vertikal angesetzte Ohren gezüchtet wird. Auch ist die ganze Kopfform, je nach individueller Ausprägung des einzelnen Tieres, bei den Thaikatzen deutlich runder und weniger stark keilförmig bis dreieckig ausgebildet. In den USA werden Siamkatzen des alten Typs deshalb auch „Appleheads“ („Apfelköpfe“) genannt. Insgesamt ist der Körperbau der Thaikatze rundlicher während der Extremtyp der modernen Siamkatze einen sehr schlanken und fast röhrenförmigen Körper aufweist.

Farben

Siamkatzen kann es in über 100 verschiedenen Farb- und Musterungsvarianten geben. Ausgehend von vier klassischen Grundfarben, die im Genom der Siamkatzen bereits natürlich vorkamen und auf Mutation zurückzuführen sind, sind durch Kreuzung und Hybridisierung weitere Farbschläge entstanden. Dazu kommen noch jeweilige Kombinationen mit „Tortie“ (englische Bezeichnung für Schildpatt, genetische Farbe Rot) sowie der Tabby-Musterung.

Genetischer Hintergrund

Die Farbschläge der Siamkatze sind entscheidend durch eine bei dieser Rasse anzutreffenden Mutation geprägt. Diese ist als Okulokutaner Albinismus Typ 1 bekannt und führt zu Teilalbinismus. Dabei ist das Enzym Tyrosinase, welches für die Bildung des dunklen Pigmentfarbstoffes Melanin verantwortlich ist, bei höheren Temperaturen nicht funktionsfähig. Genetisch beruht dieser Effekt auf dem sogenannten Colouration-Gen. Dessen Allel ca führt zu weißem Fell mit blauen Augen, das Allel cs bewirkt die typische Pointfärbung der Siamkatze. Der Genotyp einer Siam Seal-Point Katze lautet aaB-csssD-, das Allel cs wird dabei oft als „Siam-Gen“ bezeichnet.

Dadurch ist, neben der bereits erwähnten ausschließlich blauen Augenfarbe, die Fellfarbe neugeborener Siamkätzchen prinzipiell weiß. Erst nach einigen Tagen bilden sich die Points, dunkler gefärbte Stellen, in der Körperperipherie aus. Dies ist eine Form des Akromelanismus. Eine vollständige Ausfärbung kann bis zu 6 Monate dauern. Der Rest des Körpers bleibt weiß bis cremeweiß, je nach Pointfarbe. Seal-Point-Siamesen haben das am dunkelsten gefärbte Fell, Creme-Point-Siamesen ein fast reinweißes. Dabei kann allerdings jedes Individuum unterschiedlich stark in der Farbgebung auf die umgebende Temperatur reagieren.

Eine Besonderheit sind durchgehend weiß gefärbte Siamkatzen, die „Foreign White“ genannt werden. Die weiße Fellfarbe der Foreign White sowie ihre blaue Augenfarbe gehen hier auf den oben beschriebenen Teilalbinismus und dem zusätzlichen Gen für „epistatisches Weiß“ zurück. Allerdings fehlt ihr die Pointfärbung, so dass diese Tiere ein reinweißes Fell behalten. Weißes Fell und blaue Augen bei anderen Katzenrassen ist auf eine andere genetische Kombination zurückzuführen (Fellfärbung W-Gen determiniert), die bei diesen Tieren oft mit Taubheit gekoppelt ist. Dies ist bei der Foreign White aufgrund der andersartigen genetischen Konstitution nicht unbedingt der Fall, ist aber generell bei der Zucht zu berücksichtigen. Dazu sind nach dem Tierschutzgesetz (Tierschutzgesetz § 11b sowie Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes [Verbot von Qualzüchtungen]) auch entsprechende Maßnahmen und Untersuchungen vorgeschrieben, die auch teilweise für die Foreign White gelten.

Klassische Grundfarben

Die Ausprägung der vier klassischen Grundfarben der Siamesen wird wie folgt beschrieben:

Seal-Point (Farbcode 24)

  • Körperfarbe: creme zu warmem hellbraunem Ton verdunkelnd
  • Abzeichen: tiefes Schwarzbraun (= seal)
  • Nasenspiegel: tiefes Schwarzbraun (= seal)
  • Farbe der Pfotenballen: schwarzbraun

Blue-Point (24a)

  • Körperfarbe: eisfarbenes Weiß, auf dem Rücken kaltes Dunkelblau erlaubt
  • Abzeichen: blaugrau
  • Nasenspiegel: schieferfarben
  • Farbe der Pfotenballen: schieferfarben

Chocolate-Point (24b)

  • Körperfarbe: elfenbein
  • Abzeichen: milchschokoladenfarben
  • Nasenspiegel: schokoladenfarben
  • Farbe der Pfotenballen: zimtfarben bis milchschokoladenfarben

Lilac-Point (24c)

  • Körperfarbe: gebrochenes weiß, eventuell mit blaßlila Schattierung
  • Abzeichen: hellgrau mit rosa Schimmer
  • Nasenspiegel: blaßlila
  • Farbe der Pfotenballen: blaßlila

Weitere Farbschläge

Zu den vier Grundfarben kommen noch die roten Farbschläge Red Point und dessen Verdünnung Cream Point. Weitere, erst seit kurzem in der Siamkatzenzucht entstandene Farbschläge sind Cinnamon Point (über die Einkreuzung von Abessinierkatzen in den 1960er Jahren) und Fawn Point.

Caramel Point und Apricot Point sind neuere Farbschläge die durch das Gen für modifizierte Verdünnung (Dilute Modifier, Dm) entstanden sind. Aus Cream Point und dem Dilute Modifier entsteht so die Apricotfärbung der Points. Aus Blue, Fawn und Lilac Point und dem Dilute Modifier entsteht der Farbschlag Caramel, jeweils nochmals unterteilt in blue-based, fawn-based oder lilac-based caramel.

Tortie

Jeder Farbschlag außer Red und Cream (nicht-genetisches Rot) kann in Kombination mit der zweiten Farbe Rot in Form von Schildpatt (gängige englische Bezeichnung: Tortie) vorkommen. Eine Farbkombination mit Tortie als zusätzliche Farbe gibt es aufgrund der geschlechtsgebundenen Vererbung dieser Eigenschaft über das Orange-Gen nur bei weiblichen Tieren [22]. Eine Tortiefärbung der Pointfarbe zeichnet sich durch klar erkennbare rotorangefarbene Farbanteile in der Pointfärbung aus. Die Katze wird dann beispielsweise als Siam Seal-Tortie Point bezeichnet. Eine Kombination der Tortiefärbung mit weiteren modifizierenden Faktoren wie Tabby, Silver usw. ist möglich. Treten die Merkmale Tortie und Tabby gemeinsam auf, werden diese bei der Farbbezeichnung auch als Torbie abgekürzt

Modifikationen der einzelnen Farbschläge

Zusätzlich zu den unterschiedlichen Farbschlägen gibt es noch andere Faktoren, welche die Farbgebung und -ausprägung beeinflussen.

Tabbymuster

Die prinzipiell einheitliche Pointausfärbung kann durch ein eingekreuztes Tabbymuster abgewandelt werden. Bei einer Siam Seal-Tabby Point Katze (32SP) ist die Pointfärbung mit helleren Streifen der normalen Fellfarbe durchsetzt. Das Tabbymuster kann bei allen Farbschlägen und in Kombination mit allen anderen modifizierenden Faktoren auftreten.

Silberfärbung

Bei Siamkatzen mit der Modifikation „Silver“ unterdrückt ein Melanin-Inhibitorgen (im Genotyp als I oder i bezeichnet, Polygen) die vollständige Ausfärbung des einzelnen Haares durch Unterdrückung der Pigmentbildung. Je nach Ausprägungsintensität dieses Faktors werden nur die oberen Haarbereiche, im Extremfall nur die Haarspitze, ausgefärbt. Dies führt zu einer Silberfärbung, die ebenfalls mit allen anderen modifizierenden Faktoren kombinierbar ist. Eine Seal-Pointkatze mit entsprechender Silver-Modifikation wird als Siam Seal-Silver Point (24Sv) bezeichnet.

Weiß (Bicolor, Tricolor)

Die Pointfärbung der Siamkatze kann durch Scheckung fast ganz oder teilweise mit Weiß überdeckt werden. Man unterscheidet hier Bicolor- und Tricolor-Siamkatzen. Bei ersteren ist die Pointfarbe, sowie weitere eventuell vorhandene Farbmodifikationen, mit weißer Scheckung kombiniert und wird dann beispielsweise als Siam Seal Point weiß (24w) bezeichnet. Bei den Tricolor Siamkatzen besteht die Kombination aus der Pointfarbe, aus Tortie und aus der weißen Scheckung. Unter Beibehaltung des eben genannten Beispiels bei Bicolor würde es sich nun um eine Siam Seal-Tortie Point weiß (32bSPw) handeln. Es handelt sich hierbei aber nicht um das auch als Weißscheckung bezeichnete Piebald-White-Spotting, wie es bei anderen Katzenrassen vorkommt.

Im Extremfall bleiben so von der Pointfärbung am Körper nur geringste Färbungsspuren im Fell zurück. Eine vollständige Weißfärbung aller nach wie vor vorhandenen Points am Körper und somit eine vollständig weiße Siamkatze wird als Foreign White bezeichnet.

Durch die Vielfalt an Farbschlägen, Farbkombinationen (Tortie), Farbmodifikationen (Tabby, Silver) sowie einer möglichen Scheckung gibt es weit über 100 verschiedene Kombinationen und einzelne unterschiedlich aussehende Phänotypen bei den Siamkatzen. So vereint beispielsweise eine Siam Seal-Silver-Tortie-Tabby Point weiß (Schlüsselcode 32STPSvw) alle möglichen farbbeeinflussenden Parameter in einem Phänotyp.

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